Blog

Beziehungskrisen als Entwicklungschancen

und der Einfluss von Lebensereignissen auf die Partnerschaft



...Paare, die in die Paarberatung kommen, sind oft wenig zuversichtlich, was eine Änderung in der eingefahrenen Paarstruktur betrifft.

Sätze, wie: „Naja, was soll sich denn da noch ändern…mein Partner/in ist ebenso.“, sind keine Seltenheit.

Viele Menschen glauben, dass man nur in jungen Jahren, wenn überhaupt, etwas ändern kann. Dabei hat die Gehirnforschung gerade in der letzten Zeit nachweisen können, dass das Gehirn der Plastizität unterworfen ist und sich neuronal immer wieder entwickeln kann.

Das heißt, so lange ein Mensch atmet, kann er lernen und sich weiterentwickeln.

In der Neurologie gibt es gute bildgebende Verfahren, aus denen man erkennen kann, dass bereits eine zweimalige Wiederholung neuronales Korrelat aufgebaut wird, was uns ermöglicht, neue Wege zu beschreiten, wenn wir es denn wollen.

Es ist als möglich, festgelegte Bahnen zu verlassen und neue Wege zu gehen.

Oft sehen Paar das nicht mehr. Ihre Paarstruktur ist erstarrt. Dann ist es in der Paarberatung wichtig, ihnen ihr Potential als Paar aufzuzeigen und gemeinsam einen guten Grund zu finden, warum sie noch zusammen sind.

Alle fünf Phasen einer Liebesbeziehung enthalten Stolpersteine, die zu einer Krise oder sogar zu einer schmerzlichen Trennung des Paares führen können.

Auch eine Beziehung ist einer ständigen Veränderung im Innen und Außen unterworfen.

Oft sind es die Eigenschaften, die Paare in der Verliebtheitsphase so attraktiv am anderen fanden, die später nerven und zu Konflikten führen können.

So kann einer Frau anfänglich die große Fürsorge ihres Partners sehr gut gefallen haben, weil ihr das ein Gefühl von Nähe, Geborgenheit und Halt gegeben hat, was sie vielleicht in der Kindheit nicht erfahren hat.

Der Mann fühlt sich in seiner Beschützerrolle wohl, weil er gebraucht wird und Anerkennung bekommt, vielleicht hat ihm gerade das als Kind gefehlt.

Auch die Eifersucht der Partnerin empfindet er in der Verliebtheitsphase eher als schmeichelhaft und wertschätzend. Sie gibt ihm das Gefühl, wichtig und unentbehrlich zu sein und auch hier können wieder Bedürfnisse dahinterstehen, die in der Kindheit nicht erfüllt worden sind.

Dazu kommen noch massive Ausschüttung von Hormonen, die einen kritischen Blick auf den geliebten Menschen so gut wie unmöglich machen und schon sind wir im 7. Himmel der Verliebtheit.

Aber diese Phase geht vorbei und Eigenschaften, die ich am Anfang der Beziehung an meinem Partner geschätzt habe, fangen an zu nerven und werden nicht selten der Anlass für Auseinandersetzungen und Streit.

So wird die ständige Fürsorge des Mannes als lästig empfunden und die Frau fühlt sich in ihrer Eigenständigkeit eingeschränkt und manchmal dadurch auch kontrolliert.

Der Mann kann den häufigen Eifersüchteleien seiner Partnerin nichts Positives mehr abgewinnen, es nervt ihn einfach nur noch.

Was ist passiert? Haben sich die Eigenschaften des Partners verändert?

Die Eigenschaften an sich haben sich nicht verändert, aber die eigene Wahrnehmung und Bedürfnisse sind andere geworden.

Auch in einer Liebesbeziehung gilt: nichts ist so sicher, wie die Veränderung, es bleibt nicht so, wie es am Anfang mal war. Auch in einer Paarbeziehung findet immer Entwicklung statt.

Und: Beziehungen werden von alleine schlechter, wenn man nichts dafür tut.

Auch eine erfüllte Partnerschaft ist kein Selbstläufer, sondern eine Herausforderung für jedes Paar.

Oft verfallen Paare in eine Problemtrance, d.h. sie sehen nur noch die Probleme und kreisen ständig darum. Oft gibt es Schuldzuweisungen und Vorwürfe und es werden nicht die Schritte erkannt, die zur nächsten Entwicklungsstufe als Paar nötig wären.

An dieser Stelle ist es oft hilfreich, sich professionelle Hilfe zu holen, um so wieder einen anderen Blickwinkel auf die Beziehung zu bekommen, um aus der Problemtrance aussteigen zu können. Das Ziel in meiner Paarberatung ist dann gemeinsam mit dem Paar wieder eine attraktive Perspektive zu entwickeln.

In allen Phasen der Liebesbeziehung können uns kritische Lebensereignisse treffen, die eine Partnerschaft in eine Krise stürzen bzw. die zu einer Trennung führen können.

Wir unterscheiden bei diesen kritischen Lebensereignissen die vorhersehbaren und die nicht vorhersehbaren.

Was sind vorhersehbare Lebensereignisse, die eine Beziehung stark belasten können?

  • Das Paar wird zur Triade, eigentlich ein schönes Ereignis, wenn ein Kind geboren wird, aber auch eine große Herausforderung für das Paar, das jetzt nicht mehr nur Paar, sondern auch Elternteil ist.

Die Mutterschaft ist dabei nicht so rosa rot, wie es uns in einschlägigen filmen und in

der Werbung gerne vermittelt wird, sondern stellt eine echte Herausforderung für das

Paar dar.

Untersuchungen haben gezeigt, das Paare mit der Geburt eines gemeinsamen Kindes

neben aller Freude auch einem hohen Stresslevel ausgesetzt sind.

Mir fallen immer wieder Paare auf, die sich mit der Geburt des Kindes nur noch auf der

Elternebene bewegen und sich als Paar aus den Augen zu verlieren scheinen. Das

beginnt schon mit der Art der Kommunikation, wenn der Vorname des Partners oder

sein früherer Kosename mit „Mama“ oder „Papa“ ersetzt wird, d.h. das Paar spricht

sich gegenseitig genauso an, wie das Kind.

Die Herausforderung mit der Elternschaft besteht für das Paar, sich auch die

Liebesbeziehung und Erotik zu erhalten und sich nicht ausschließlich über das

Elterndasein zu definieren.

  • · Die Eltern müssen gepflegt werden

Eine echte Herausforderung für jede Beziehung, weil oft zu diesem Zeitpunkt auch

das Paar die Lebensmitte überschritten hat, aber noch voll berufstätig ist.

  • · die Eltern sterben

der Verlust eines geliebten Menschen löst in unserem Körper oft langanhaltenden massiven Stress aus

  • · die Kinder verlassen das Haus

oft eine Herausforderung für die Neugestaltung einer Partnerschaft, denn eine wichtige gemeinsame Aufgabe, manchmal der einzige Lebensinhalt der Beziehung, die Kinder, bricht weg.

  • · Arbeitslosigkeit

Neben finanziellen Einbußen spielt hierbei vor allem der Verlust von Selbstwert bei dem arbeitslos gewordenem Partner eine große Rolle und besitzt Konfliktpotential.

Der Vorteil dieser vorhersehbaren kritischen Lebensereignissen besteht darin, dass eine Stressregulation möglich ist. Das Paar kann sich zum größten Teil darauf einstellen.

Ein Paarsystem wird um so mehr unter Stress gesetzt und gerät in eine Krise, um so weniger das Ereignis voraussehbar war.

Das betrifft die unvorhersehbaren kritischen Lebensereignisse.

Was sind unvorhersehbare kritische Lebensereignisse, die das Potential zur Trennung des Paares haben?

  • Außenbeziehung

Einer der Partner ist fremd gegangen bzw. pflegt neben der bestehenden Partnerschaft eine weitere intime Beziehung. Die Konflikte, die sich daraus ergeben, führen oft zu einer sehr schmerzlichen Trennung.

  • Schwere Krankheit oder plötzlicher Unfall

Erkrankt oder verunglückt ein Partner schwer, ist das eine enorme Belastung für die Liebesbeziehung.

Häufig verändert dies das ganze Gefüge der Partnerschaft, ihren stabilen Rahmen.

Nichts ist mehr so, wie es einmal war.


  • Verlust der Existenzgrundlage durch Naturkatastrophe


  • Plötzlicher Tod eines gemeinsamen Kindes

im Jahr 2018 wurden 79 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr tödlich verletzt, 2019 waren es 55 Kinder. Welches Leid das für die betroffenen Eltern bedeutet, lässt sich kaum erahnen.

Nicht immer schaffen es die Eltern als Paar einen gemeinsamen Weg der Trauerbewältigung zu finden und trennen sich infolge dieses furchtbaren unerwarteten Lebensereignisses.

0 Kommentare