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Bin ich ein Perfektionist?

Aktualisiert: 8. Nov 2020


Vier gravierende Fehler, die Perfektionisten häufig in einer Beziehung machen und wie man diese möglichst vermeiden kann

Wir haben uns in der letzten Podcast Folge über das Phänomen des Nazismus unterhalten und ich möchte noch einige kurze Anmerkungen dazu machen bevor wir uns dem eigentlichen heutigem Thema zu wenden, nämlich einer Erscheinung die eigentlich oft mit dem Narzissten verwechselt wird, nämlich dem Perfektionisten.


Also wie schon erwähnt, müssen wir natürlich ganz genau unter einer tatsächlichen klinischen narzisstischen Persönlichkeitsstörung und dem Alltagsnarzissmus, dem wir durch aus häufiger begegnen unterscheiden. dieses klinische Bild des Narzissten betrifft nur 1% der Gesamtbevölkerung, das ist also wirklich wenig. Wenn man sich in den sozialen Medien umschaut, glaubt man ja bald, dass jeder zweite ein Narzisst ist.


Interessant ist auch, dass der Narzissmus die Persönlichkeitsstörung mit dem höchsten genetischen Anteil von 25% bis 75% ist. Durch Studien von eineiigen Zwillingen, die unter unterschiedlichen Bedingungen aufgewachsen sind, hat man das herausgefunden

Wir haben ja auch gesagt, dass wir alle mehr oder weniger kleinere narzisstische Anteile haben und wovon wir reden oder was wir im Sprachgebrauch häufig verwenden, ist einfach das diese narzisstischen Anteile dann bei einem Partner größer sind und so eine Beziehung auch ins toxische abgleiten lassen.

Ich würde nach dem letzten Podcast auch noch einmal gefragt, ob es tatsächlich statistische Erhebung zu der Verteilung des Nazismus beziehungsweise der narzisstischen Persönlichkeitsstörung auf die Geschlechter gibt, das gibt es, es sind also 25 % Frauen betroffen und immerhin 75 % Männer.


Professor Raphael Bonelli, ein österreichischer Psychiater, hat ein sehr gutes Buch mit dem Titel“ Männlicher Narzissmus“ geschrieben, das liest sich sehr interessant und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich für diese Thematik interessiert.

Es gibt nun einen zweiten Persönlichkeitstyp, der manchmal einfach

mit dem Narzissten verwechselt wird und das ist der Perfektionist,

also auch mit einem rein perfektionistischen Partner zu leben, ist schon eine große Herausforderung, trotzdem gibt es gravierende Unterschiede zwischen den beiden,

währende der Narzisst sich spannend findet und von sich selbst begeistert ist und von allem, was er erlebt hat, was er fühlt, was er ist und er ständig die Anerkennung und Selbstbestätigung sucht und sich über andere erhebt, findet der Perfektionist sich selber langweilig, beziehungsweise nicht spannend genug.


Gemeinsam ist den beiden, dass sie eng miteinander verbunden sind in der Hinsicht, dass sie beide um sich selbst kreisen.


Der Unterschied besteht aber darin, dass der Perfektionist ängstlich um sich selbst kreist, indirekt ständig damit gedanklich beschäftigt ist, was andere von ihm denken.

Der Narzisst dagegen kreist selbstverliebt um sich selbst, er denkt: “Ich bin der Beste, ich schaue in den Spiegel und was sehe ist, dass ich einfach großartig bin“.


Die Übergänge vom Perfektionisten, der erfolgreich ist und oft wertgeschätzt wird, können fließend zum Narzissmus sein.

Die größte Angst des Perfektionisten ist, Fehler zu machen. Er möchte auf jeden Fall fehlerfrei tadellos und mustergültig auf andere Menschen wirken und hat dabei einen sehr hohen Anspruch an sich selbst. Was ihn treibt, ist die innere Angst.


Oft haben Perfektionisten schon in der Kindheit nur dann Anerkennung erfahren, wenn sie möglichst etwas fehlerfrei erledigt hatten, immer in der Schule sehr gute Ergebnisse hatten, eine zwei hat nicht genügt, es musste eine eins sein, sonst gab es keine Anerkennung der Eltern, oft eher Strafe.


Das kann also beim Perfektionisten auch zum Lebensthema geworden sein, hinter dem Perfektionismus steckt, wie gesagt, eine große Angst und Unsicherheit und auch ein Kontrollbedürfnis. Der Perfektionist hat einen enormen Erfolgsdruck, den er sich selber macht, weil er glaubt, dass er nur liebenswert ist und anerkannt wird, wenn er eben stets eine perfekte Leistung abliefert.


Deshalb setzt er ganz hohe Ansprüche an sich selbst, die oft aber zu hoch sind und er begnügt sich in einer Beziehung nicht damit, die Ansprüche nur an sich selbst zu stellen, sondern oft werden auch in der Beziehung seine hohen Standards zu Grunde gelegt.

Dabei vergisst er oft, dass er seine Partnerin beziehungsweise sein Partner gar nicht genug mit einbezieht, sondern er legt die Standards fest, an die sich dann auch der Partner zu halten hat.

Jede Veränderung stellt ein großes Problem für den Perfektionisten dar, weil er durch die Veränderung Fehler machen könnte beziehungsweise wird er durch Veränderungen eingefahrener Strukturen natürlich auch wieder unsicher.


Oft ist auch der emotionale Umgang mit einem Perfektionisten in der Beziehung nicht einfach: er liebt strukturiertes Vorgehen, korrekte Ergebnisse sind ihn wichtiger als Emotion. Das ist eigentlich klar, weil Gefühle, Emotionen kann man natürlich nicht kontrollieren und der Perfektionist ist aber bestrebt, möglichst immer alles unter seiner Kontrolle zu wissen. Er liebt keine Überraschungen.

Vier häufige Fehler, die Perfektionisten häufig in einer Beziehung machen:

1. Perfektionisten sind auch in einer Beziehung nicht authentisch. Sie versuchen sich auch dort immer nur möglichst von ihrer perfekten Seite aus zu zeigen und verbergen Anteile, die ihnen selbst nicht perfekt erscheinen vor dem Partner. Er errichtet also eine makellose Fassade und gaukelt diese dem Partner vor, der Partner ahnt jedoch bald, dass es ganz und gar nicht perfekt hinter dieser Fassade aussieht.

2. Perfektionisten lieben starre, unflexibel Regeln und Normensysteme. Manchmal kann das sogar in Zwanghaftigkeit ausarten, z.B. Putzwahn, Kontrollzwang oder ähnliches.

3. Perfektionisten können nur ganz schwer entspannen. Sie strahlen eigentlich immer eine permanente Anstrengung aus und gehen ein sehr hohes Tempo. Das nervt viele Partner, weil es natürlich in der Partnerschaft auch eine angestrengte Atmosphäre verbreitet und einfach mal entspannen und relaxen fast unmöglich macht.

4. Perfektionisten glauben, dass sie immer etwas leisten müssen, um anerkannt zu werden und die Folge ist, dass sie meinen, ständig Hochleistung vollbringen zu müssen.

Sie haben einen enorm starken inneren Antreiber, der kaum einmal zur Ruhe kommt. Da bleiben Entspannung und Harmonie in der Beziehung häufig oft auf der Strecke. Im Gegenteil: vom Partner wird verlangt, dass er mitzieht.

Die Bedürfnisse des Partners werden vom Perfektionisten oft nicht wahrgenommen.

Anders als bei einer Beziehung mit einem Partner mit vielen narzisstischen Anteilen muss Perfektionismus nicht zwangsläufig zur Trennung führen. Es gibt für die Beziehung mit einem Perfektionisten gute Chancen, etwas zu ändern. Der Erfolg hängt dabei auch immer vom Grad der Ausprägung ab.


Natürlich ist der Perfektionismus nicht von einem auf den anderen Tag abzulegen, aber oft hilft es, sich gemeinsam langfristige Ziele zu stellen und vor allem, zu lernen, mit weniger zufrieden zu sein.


Der Partner eines Perfektionisten muss viel Geduld aufbringen, aber er kann dem Perfektionisten durch seine Liebe zeigen, dass dieser um seiner selbst willen liebenswert ist.


Wenn der Perfektionist es langfristig schafft, sich mit seinem inneren Antreiber auszusöhnen und durch gute Kommunikation, Geduld und Liebe durch seinen Partner Unterstützung erfährt, kann auch die Beziehung mit einem Perfektionisten zu einer erfüllten und glücklichen Beziehung werden.


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