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Hilfe!!! Ist mein Partner ein Narzisst?



( Bitte beachten Sie, auch wenn ich die männliche Bezeichnungen wähle, beziehen sich meine Ausführungen immer auf beide Geschlechter)

In der letzten Zeit fällt auf, dass der Begriff des Narzissten/Narzisstin recht inflationär gebraucht wird, wenn eine Beziehung schwierig ist oder gescheitert ist. Dann wird der Partner oft in die Ecke des Narzissmus gestellt. Aber auch wenn es Diskrepanzen mit dem Chef, Kollegen oder einem Bekannten gibt, wird schnell die Diagnose des Narzissten gefällt.


Aber was ist denn Narzissmus tatsächlich?

Erstmal muss man sagen, dass wir alle narzisstische Anteile in uns tragen und das ist auch in Ordnung. Sigmund Freud spricht schon beim Baby vom primären Narzissmus, wenn es ein Bedürfnis hat, hungrig ist oder frische Windeln möchte, wird es schreien, egal ob die Mutter jetzt eigentlich dringend ihren Schlaf benötigt oder nicht. Dieser primäre Ich-Bezogenheit stellt in dieser Phase unserer Entwicklung das Überleben sicher.

Später entwickelt sich unter bestimmten Bedingungen der sekundäre Narzissmus.

In einer toxischen Beziehung ist es sehr oft der Fall, dass einer der Partner große narzisstische Anteile oder sogar eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat.

Trotzdem muss es sich dabei nicht um eine pathologische Form, also um ein ausgesprochenes Krankheitsbild eines reinen Narzissten handeln.

Psychische Erkrankungen, also auch der Narzissmus werden klassifiziert nach dem so gennannten DMS-5, das ist ein diagnostischer Leitfaden für psychische Erkrankungen, der von der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft herausgegeben wird.

Danach müssen von den neuen aufgeführten Kriterien mindestens fünf erfüllt sein, damit man vom Krankheitsbild eines Narzissten sprechen kann.


1. Der Narzisst idealisiert sich selbst. Er hält sich für grandios und wichtig. Er übertreibt die eigenen Fähigkeiten, Leistungen und Talente. Er erwartet Anerkennung um seiner selbst Willen.

2. Er hat grenzenlose Phantasien von Macht, Schönheit, Erfolg, aber auch ein Idealbild von der Liebe

3. Er hält sich für etwas ganz Besonderes und Einmaliges.

4. Und dafür erwartet er grenzenlose Bewunderung.

5. Er hat ein großes Anspruchsdenken, d.h. er erwartet sehr viel, was andere für ihn tun sollten und empfindet eine bevorzugte Behandlung oder die Erfüllung seiner Erwartungen als ganz selbstverständlich.

6. In zwischenmenschlichen Beziehungen agiert er sehr egoistisch. Er benutzt andere, um seine eigenen Ziele zu erreichen.

7. Die Bedürfnisse und Gefühle anderer interessieren ihn nicht, außer er kann sie für seine Zwecke missbrauchen. Er hat ein Defizit an Empathie.

8. Oft ist er neidisch auf andere, glaubt aber auch, dass die Menschen aus seinem Umfeld ( Freunde, Familie, Arbeitskollegen ) neidisch auf ihn sind.

9. Er verhält sich arrogant und herablassend anderen gegenüber.


Sechs Merkmale, an denen Sie einen Partner mit narzisstischen Anteilen im Alltag erkennen und wie Sie den Ausstieg aus so einer toxischen Partnerschaft vorbereiten

Unabhängig von klinischen Bild des Narzissten, macht uns der Alltagsnarzissmus, d.h. wenn der Partner narzisstische Anteile hat das Leben in einer Beziehung je nach Ausprägungsgrad unerträglich.

Ich möchte noch einmal erwähnen, auch wenn ich hier immer von dem Partner schreibe, meine ich damit auch den weiblichen Narzissmus, obwohl erwiesener Maßen der männliche Narzissmus überwiegt.

Dabei kommt der Narzisst keineswegs als Monster daher, sondern das Gegenteil ist der Fall. Am Anfang einer Beziehung gibt der Narzisst ganz viel, er ist aufmerksam, freundlich und umgarnt den anderen mit Komplimenten, kleinen Geschenken und gibt dem Selbstwertgefühl des Partners ganz viel Zufuhr. Nie fühlt man sich so gewürdigt und geschätzt, wie bei dem Beginn einer Beziehung mit einem Partner mit narzisstischen Anteilen. Oft treffen in so einer Beziehung der narzisstische Partner mit einem depressiv Abhängigen, aber zumindest mit jemanden mit wenig Selbstwertgefühl zusammen. Dem tuen all die Aufmerksamkeiten und die Wertschätzung so was von gut, dass er/sie denkt, endlich den ersehnten Traumpartner gefunden zu haben.

Der narzisstische Partner versteht es oft auch, mit seinem freundlichen und aufmerksamen Verhalten die Familie des Partners für sich zu gewinnen.

So besuchte einer meiner Partner mit stark narzisstischen Anteilen z.B. schon nach drei Wochen unseres Kennenlernens vollkommen überraschend meine Mutter mit einem Blumenstrauß und stellte sich ihr freudestrahlend als mein neuer Partner vor. Meine Mutter war begeistert, das hatte sie bisher noch nicht erlebt und fand es einfach toll. Was für ein Mann!

Diese wunderschöne Anfangszeit ist es, um die später in der Beziehung noch lange von dem abhängig gewordenen Partner gekämpft wird.

Denn das Verhalten des erhofften „ Traumpartners“ ändert sich ziemlich schnell.


Fünf Merkmale eines Partners mit narzisstischen Anteilen:

1.Der Partner beginnt schon bald, den anderen abzuwerten und verhält sich dabei oft sehr verletzend.

2. Kleinigkeiten führen zu starken Wutausbrüchen. Er ist unwahrscheinlich kränkbar und flippt teilweise regelrecht aus.

3. Er ist hungrig nach Anerkennung, davon kann er gar nicht genug bekommen.

4. Er wird sich nicht entschuldigen, er besitzt kein Unrechtsbewusstsein und aus Mangel an Empathie kann und will er auch nicht nachempfinden, wie verletzend sein Verhalten war.

5. Er versucht, dir die Schuld für Konflikte und Streit zu geben, hier findest oft eine massive Schuldübertragung statt. In seinem Anspruchsdenken erwartet er, dass der andere sich entschuldigt und seine Fehler gesteht. Er dagegen sieht sich niemals im Unrecht.

6. Der Narzisst schreckt auch nicht davor zurück, die eigenen Kinder zu manipulieren, um so dem Partner zu schaden und selbst gut dazustehen. Das führt oft bei Trennung zu traumatischen Erlebnissen für die betroffenen Kinder.


Die Schwierigkeit besteht in einer solchen narzisstischen Beziehung oft darin, dass sich Abhängigkeit vom Partner mit narzisstischen Anteilen entwickelt, denn wie jeder Mensch hat auch der Narzisst natürlich gute Seiten und so gibt es auch in dieser Beziehung immer wieder mal schöne Momente, an die sich dann der abhängige Partner klammert in der Hoffnung, dass er doch jetzt endlich erkennt, wie verletzend er sich verhalten hat, es einsieht, sich entschuldigt und begreift, dass er doch die große Liebe seines Lebens gefunden hat.

Aber das wird nicht passieren und nach dem Motto “Die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist es gerade diese Hoffnung auf bessere Zeiten, eine positive Verhaltensänderung des Partners, die den Ausstieg aus so einer Beziehung noch schwieriger macht.


Was kann man tun, um aus so einer narzisstisch geprägten Beziehung auszusteigen?

Da es sich in dieser Beziehungskonstellation natürlich um eine toxische Beziehung handelt, ist es schwer, eine solche Beziehung zu beenden, zumal ein Narzisst das Verlassenwerden natürlich oft auch in keinster Weise akzeptiert, denn ein so toller Mensch wie er , den verlässt niemand. Also zeigt er bei der Trennungsäußerung des anderen plötzlich wieder durchaus liebenswerte Eigenschaften. Und schürt damit die Hoffnung des anderen Partners, dass er sich doch ändert und die schöne Phase der Anfangszeit der Beziehung wieder zurückkommt.

Natürlich dreht sich alles in relativer kurzer Zeit wieder und das Spiel beginnt von Neuem, oft mit Schuldgefühlen des nicht narzisstischen Partners, weil er meint, es ist seine Schuld, er schafft es einfach nicht, die Beziehung zum Guten zu wenden.


Deshalb ist es eine Grundvoraussetzung um den Ausstieg aus so einer Beziehung zu schaffen, dass man an der Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls arbeitet.


· Fragen Sie sich, welche Anteile in Ihnen es zu lassen, dass dieser Mensch in der Beziehung so mit Ihnen umgehen darf und warum?


· Suchen Sie aber auch nach Anteilen in Ihnen, die gegen diese Behandlung rebellieren und stärken diese, in dem Sie diese Anteile würdigen, man kann auch Zwiegespräche mit ihnen führen.


· Lassen Sie die Abwertung Ihrer Person nicht zu und weisen die Schuld zurück.


· Setzen sie Grenzen und kommunizieren diese auch klar


· Stellen Sie sich ein großes Schild aus Spiegelglas vor, das Sie vor sich halten und wo alles Verletzende, alle Schuldübertragung an Ihnen abprallen und auf den narzisstischen Partner (zurück) reflektiert werden. Es hat nichts mit Ihnen zu tun.


· Stellen Sie sich vor, ihre beste Freundin nimmt ihren Platz in dieser Partnerschaft ein und sie sind nur der stille Beobachter außerhalb dieser Beziehung.


· Wie nehmen Sie dann diese Beziehung war? Wie sehen Sie ihre Freundin darin, was würden Sie ihr raten, wie könnten Sie sie unterstützen?

Dieser Verfremdungseffekt hilft uns, die Dinge klarer zu sehen und auch eher Lösungsmöglichkeiten zu finden.


· Üben Sie sich auch darin, Verletzungen nicht mehr in ihr Herz zu lassen, sondern auf Abstand zu halten. Denken Sie immer an ihr imaginäres Schutzschild.


Egal, was ihr Partner zu Ihnen sagt, er charakterisiert sich immer selbst. Denken Sie auch daran, dass hinter dem narzisstischen Verhalten ihres Partners eine starke Selbstschutzstrategie steckt. Dahinter versteckt sich ein verunsichertes, ängstliches Kind, welches oft eine lieblose Kindheit erlebt hat.

Mit seinem extrem hohen Machtbedürfnis versucht dieser verunsicherte Mensch, alles unter Kontrolle zu behalten, weil er große Angst vor Verletzungen hat.

Das ist immer bedauerlich, wenn jemand eine lieblose Kindheit gehabt hat und sich daraus narzisstische Persönlichkeitsstrukturen entwickelt haben.

Aber Sie sind nicht daran schuld und können diesen Menschen mit ihrer Liebe nicht retten, auch wenn Sie das noch so sehr hoffen. Viel größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dabei Schaden nehmen.

Sie sind nur das Opfer, wenn sie sich als sein Opfer fühlen. Er kann Sie nur zu seinem Opfer machen, wenn Sie es zulassen.

Und auch das damals kleine Kind ist inzwischen erwachsen und als erwachsener Mensch verantwortlich für sein Handeln und niemand hat das Recht einen anderen Menschen zu demütigen und lieblos und egoistisch zu behandeln. Das müssen Sie sich immer klar machen.


Zusammenfassen ist zu sagen:

wenn Sie erkannt haben, dass Sie einen Partner mit vielen narzisstischen Anteilen haben, arbeiten Sie zunächst an der Stärkung Ihres Selbstwertgefühls.

Verabschieden Sie sich von der Hoffnung, dass sich Ihr Partner ändert, auch wenn es manchmal partiell so aussieht.

Das beides ist primär nötig, um sich stark für den Ausstieg aus dieser Beziehung zu machen und auch konsequent das endgültige Ende dieser Partnerschaft zu besiegeln.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie es nicht schaffen, alleine diese Beziehung zu beenden, holen Sie sich professionelle Hilfe oder schließen sich einer Selbsthilfegruppe an.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg auf den Weg in ein befreites und glückliches Leben, das jeder verdient hat.


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