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Welcher Bindungstyp sind Sie?

Aktualisiert: Jan 18


„Ich kenne diesen Mann noch nicht einmal 3 Wochen und doch kreisen meine Gedanken ständig nur noch um ihn. Ich überlege dauernd, ob ich ihm überhaupt genüge, ob er mich attraktiv genug findet,

ob mein Bildungsstand und mein Beruf seinen Vorstellungen entsprechen,

Ich befürchte, dass ihm meine Figur nicht gefällt und habe schreckliche Angst, dass er nicht mehr anruft, um sich ein nächstes Mal mit mir zu treffen.

Ständig schaue ich auf mein Handy in der Hoffnung, eine nächste Nachricht von ihm zu bekommen.

Dabei ärgere ich mich selbst über mein Verhalten, weiß ich doch, dass es vollkommen irrational ist und wenn ich immer daran zweifle, gut genug zu sein, wirken sich diese Ängste wie eine selbst verwirklichende Prophezeiung aus.“ schildert mir Klara H. ihr Problem.


Meine Freundin kann diese Ängste gar nicht verstehen. Sie lebt seit zwei Jahren in einer glücklichen Beziehung und kennt keine Selbstzweifel. Sie meint, ihr Partner und sie wüssten doch, was sie aneinander haben, darum macht sie sich wegen ihrer Beziehung nicht verrückt.

In der Partnerschaft der beiden finden keine Dramen statt, keine emotionalen Achterbahnen oder gar ein ON / OFF Status. Sie können sich aufeinander verlassen, haben ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, was jedem der beiden durchaus auch eigenständige Unternehmungen gestattet.

So eine Liebesbeziehung wünsche ich mir auch.


Christian B. ist ein junger gutaussehender Mann, beruflich erfolgreich mit einem sympathischen Lächeln. Für ihn ist es kein Problem, attraktive Frauen kennenzulernen.

Am Anfang ist er begeistert und überzeugt davon, dass er bereit ist, mit dieser Frau tatsächlich eine ernsthafte Beziehung aufzubauen.

Aber immer wieder passiert ihm das Gleiche, nach relativ kurzer Zeit verliert er das Interesse an all diesen wirklich tollen Frauen, fühlt sich bedrängt und von ihnen und eingeschränkt, sagt Verabredungen ab, übernachtet nach einem stattgefundenen Treffen doch lieber wieder zu Hause bei sich… und ist froh, alleine zu sein. Dabei hätte er liebend gerne eine Partnerin, die wirklich zu ihm passt.


Warum ist das so, dass der eine sich so nach Nähe sehnt, dass er klammert, ein anderer höchstwahrscheinlich gute Möglichkeiten hätte, eine erfüllte Beziehung aufzubauen und zu leben, aber sich stets selbst sabotiert und darüber dann auch wieder unglücklich ist?

Wo sind die Ursachen für diese Ambivalenz des Verhaltens zu suchen?


Und warum gibt es Paare, die wie selbstverständlich eine glückliche Beziehung führen, ohne Verlustangst oder Rückzugstendenzen?


In der Mutter-Kind -Forschung hat man verschieden Bindungsstile der Kinder zu ihren Müttern untersucht. Wenn Kinder die Möglichkeiten haben eine gute Bindung zu ihren Müttern bzw. Elternteilen aufzubauen, wirkt sich das sehr positiv auch auf ihre Bindungsfähigkeit im Erwachsenenalter aus.

Die Psychologen Bowlby und Ainsworth erforschten schon im letzten Jahrhundert die Mutter-Kind-Beziehung in Hinsicht auf den jeweiligen Bindungstyp

Cindy Hazan und Philipp Shaver legten als erste in ihren Forschungsergebnissen nahe, dass Erwachsene zu ihrem Partner ähnliche Bindungsmuster aufweisen, wie sie es als Kinder zu ihren Eltern hatten.

Die sichere Bindung

Die Mutter ist die Basis für das Kind, von dieser sicheren Basis aus, erforscht es seine Umwelt.

Es wendet sich nach einer Trennung der Mutter zu und kann leicht beruhigt werden.


Vermeidende Bindungstyp

Diesen Bindungstyp kann man nochmals unterteilen in den


Unsicher-vermeidenden Bindungstyp

Das Kind ist mit seinem Spielzeug beschäftigt und reagiert minimal darauf, ob die Mutter den Raum betritt oder verlässt.

Teilweise wurde festgestellt, dass sich solche Kinder sogar bevorzugt einer fremden Person zu wenden. Das Stresshormon Kortisol wurde bei diesen Kindern vermehrt nachgewiesen.


Unsicher-ängstliche Bindung

Auch hier Cortisolspiegel erhöht und zeigt Stress an. Dieses Bindungssystem ist über aktiviert.

Das Kind ist sehr auf seine Mutter fokussiert, reagiert gestresst auf Trennung und lässt sich auch, wenn die Mutter wieder da ist, kaum beruhigen. Es reagiert entweder wütend und protestierend oder passiv traurig.


Es gibt noch einen vierten Bindungstyp. Er wurde bei Kindern festgestellt, die Misshandlungen oder starken Vernachlässigungen ausgesetzt waren. Diese Kinder wirken wie eingefroren. Sie möchten sich zwar teilweise der Mutter zu wenden, haben aber gleichzeitig Angst vor ihr. Bei diesen Kindern ist der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht, sie sind also permanent einem ziemlich hohem Stresspegel ausgesetzt.


Analog zu den bei den Kindern ermittelten Bindungsstilen, hat die Paarbindungsforschung drei Hauptbeziehungstypen herausgefunden, wie Frauen und Männer in Liebesbeziehungen auf Nähe reagieren und sie erleben.

Weitere Forschungen haben ergeben, dass aber auch durchaus Menschen, die in der Kindheit viel sichere Bindung zu ihren Eltern erfahren haben, trotzdem zum ängstlichen oder vermeidenden Bindungstyp gehörten. Es gibt also eine ganze Reihe von Faktoren, die den Bindungsstil als Erwachsener beeinflussen, nur einer davon ist die Art der Zuwendung, die wir von unseren Eltern erfahren haben.


Auch die späteren Erfahrungen, die wir in Liebesbeziehung machen, prägen z.B. unser Bindungsverhalten.


Dabei hat man auch herausgefunden, dass der Bindungstyp durchaus auch z.B. im Verlauf einer Partnerschaft wechseln kann, z.B. vom ängstlichem zum sicheren Bindungstyp, wenn nämlich die Partnerschaft sich so entwickelt, dass sich Vertrauen und ein liebevoller zuverlässiger Umgang mit einander entwickelt.


Gute Voraussetzungen in einer solchen Beziehung vom ängstlichen zum sicheren Bindungstyp zu werden, haben die Bindungsängstler, die einen von Anfang an sicheren Bindungstyp an ihrer Seite haben. Dieser schafft oft mit seinem ausgeglichenen Verhalten, die Sicherheit zu geben, die der ängstliche Bindungstyp benötigt, um sich sicher und geborgen in einer Beziehung zu fühlen. Auf Basis dieser Grundlage kann er sein ängstliches Bindungsverhalten überwinden.


Wenn Sie sich nochmals die am Anfang meiner Ausführungen genannten Personen und ihre Verhaltensweisen vor Augen führen, dann werden Sie jetzt sicherlich erkennen können, dass es sich bei Klara H. eher um den ängstliche Bindungstyp handelt.


Das ängstliche Bindungssystem

Sie reagieren sehr schnell, wenn Sie denken, dass Ihre Beziehung bedroht ist. Schon der leiseste Verdacht, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte, aktiviert Ihr Bindungssystem und sie geraten zunehmend unter Stress, der sich sowohl seelisch, aber auch körperlich durch Schwitzen, Magenbeschwerden und Herzrasen äußern kann. Ihre Gedanken haben nur noch ein einziges Ziel, nämlich die Nähe zum Partner wieder herzustellen. Sie können sich erst beruhigen, wenn der Partner Ihnen eindeutig signalisiert, dass alles in Ordnung ist und er für Sie da ist.


Es wurde festgestellt, dass der ängstliche Beziehungstyp die Veränderungen im emotionalen Ausdruck seiner Mitmenschen registriert und Signale in dieser Richtung sehr feinfühlig wahrnimmt, mehr als es bei den anderen Bindungstypen der Fall ist.


Der vermeidende Beziehungstyp


Das, was Christian B. schilderte, lässt auf einen vermeidenden Beziehungstyp schließen. Er sehnt sich schon nach Nähe und Partnerschaft, kann sie aber nicht leben.


Dieser Beziehungstyp bildet oft die Grundlage für eine ON/OFF Beziehung, ist er mit seiner Partnerin zusammen, will er Distanz und treibt es oft bis die Partnerin die Beziehung beendet oder er selbst. Ist der Partner aber nicht mehr erreichbar, sehnt er sich plötzlich doch wieder nach ihm und die Verlustangst steigt hoch, so dass er wieder einen Schritt auf den Partner zu macht. Dieses Spiel lässt sich schon eine ganze Zeit fortsetzen, besonders dann, wenn der andere eher der ängstliche Bindungstyp ist.


Dem vermeidendem Beziehungstyp ist seine Autonomie sehr wichtig, ständig hat er Angst, sich in irgendwelche Abhängigkeiten zu begeben bzw. davor, dass eine Beziehung wirklich verbindlich wird. Er bestimmt, was Sie in einer Beziehung mit ihm zu erwarten haben. Emotionale Bedürftigkeit wird oft als Schwäche eingeordnet und abgelehnt.


Bestimmte verbindliche Schritte, wie z.B. das Kennenlernen der Familie des Partners oder das Verschicken bzw. posten gemeinsamer Fotos in den sozialen Medien wird vermieden, genauso wie umschifft wird, von einer tatsächlichen Beziehung zu reden. Eine bestimmte Distanz wird immer aufrechterhalten und es entsteht keine wirkliche Nähe, die man sich ja eigentlich in einer Partnerschaft wünscht.


Bei der Freundin von Klara H., die in einer ausgeglichenen harmonischen Beziehung lebt, ist eher davon auszugehen, dass es sich bei ihr um den


Sicheren Bindungstyp

handelt. Solche Menschen können sich meist leicht auf andere Menschen einlassen.

Sie sind freundlich aufgeschlossen und aufrichtig. Sie können es auch gut mit sich alleine aushalten und haben nicht den Anspruch an den Partner, dass er sie glücklich machen muss, sondern sehen die Partnerschaft als gegenseitige Bereicherung an.


Sie schätzen die Nähe des anderen und machen sich wegen ihrer Partnerschaft nicht verrückt, es gibt keine Dramen, kein Hoch und Runter. Natürlich gibt es auch bei diesen Paaren Meinungsverschiedenheiten, aber sie werden nicht als beziehungsbedrohend erlebt und können schon aus diesem Grund oft, ohne große emotionale Aufruhr gelöst werden.


Wie schon erwähnt, schaffen es diese Menschen oft selbst den ängstlichen Beziehungstyp die Unsicherheit in der Partnerschaft zu nehmen und ihn auf ihr eigenes hohes Niveau anzuheben.


Natürlich ist auch der sichere Bindungstyp kein Engel und weist genau wie alle anderen Menschen Schattierungen der unterschiedlichen menschlichen Charaktere auf.


Können Sie sich in einem der Bindungstypen wiederfinden?

Hier können Sie Ihren Beziehungstyps nach A. Levine und

R. Heller entschlüsseln.


Hier die komplette Übersicht für die Beziehungstypen gratis herunterladen



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