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Woran erkennt man eine toxische Beziehung?


Alleine der Begriff „Toxisch“ verheißt schon nichts Gutes.

Schlägt man den Begriff im Wörterbuch nach erhält man den das Wort

1.) giftig und

2.) durch Gift verursacht, auf eine Vergiftung beruhend.

Dieses Phänomen gibt es nun leider auch in einer Partnerschaft, immer dann, wenn eine Beziehung dauerhaft mehr Kraft kostet als sie gibt, wenn ein Partner den anderen unterdrückt, ihn dominiert und manipuliert für seine Zwecke natürlich.

Es entsteht ein gefährliches Machtgefälle, auch Kontrollsucht spielt oft eine große Rolle.

Um die Abhängigkeit weiterhin aufrecht zu erhalten, werden dem Partner oft massive Schuldgefühle gemacht.

Man merkt schnell, dass das anfängliche Glücksgefühl tiefer Traurigkeit, Hilflosigkeit und Verzweiflung weichen.

Das macht sich nicht nur seelisch bemerkbar, sondern das Gift wirkt sich auch auf körperlicher Ebene aus. Häufig fühlen sich Betroffenen erschöpft, ausgebrannt, haben wenig Appetit oder zu viel, können schlecht schlafen. Alkohol und Nikotinkonsum werden oft zu scheinbaren Tröstern.

Dabei fangen oft toxische Beziehung zunächst wunderbar an und man glaubt jetzt endlich den Partner gefunden zu haben, den man sich schon so lange gewünscht hat.

In der ersten Verliebtheitsphase wird man überschüttet mit Komplimenten, tollen Whatsapp Nachrichten, er / sie behauptet noch nie so ein tiefes Liebesgefühl erlebt zu haben, wie jetzt mit dir.

Schnell wird begonnen, die gemeinsame Zukunft zu planen, von Verlobung und Hochzeit oder wenigstens Zusammenziehen nach kurzer Zeit ist die Rede, weil sich ja jetzt endlich die Seelenpartner gefunden haben. Alles was man macht, bewundert und wertschätzt der Partner.

Es gibt Geschenke, Gedichte und nach sehr kurzer Zeit schon das erste: “Ich liebe Dich!“

Dieses extreme Ausdrücken von Zuneigung wird im englischen als „Lovebombing“ bezeichnet und beschreibt dieses Verhalten sehr gut.

Interessanter weise finden sich auch oft zwei Partner, die beide bedürftig sind und häufig zum ängstlichen Bindungstyp gehören.

Das ist oft auf eine mangelnde instabile Bindung zu wichtigen Bezugspersonen in der Kindheit, wie den Eltern zurück zu führen. Dafür können ein suchtkrankes Elternteil, Vernachlässigung des Kindes oder seelische und körperliche Gewalt in der Kindheit verantwortlich sein.

Oft fühlen sich Menschen mit diesem Bindungstyp voneinander angezogen.

Der eine Teil versucht mit Hilfe von Lovebombing den anderen voll für sich einzunehmen. Bei dem anderen fällt das gerade in der Anfangsphase auf sehr fruchtbaren Boden, weil er endlich die Wertschätzung und vermeintliche Liebe erhält, nach der er sich schon so lange gesehnt hat. Um das Selbstwertgefühl dieser Personen ist es oft nicht gut bestellt. So ist auch das ungewöhnlich schnelle Tempo (zu schnell viel Zeit miteinander zu verbringen, nach kurzer Zeit der Familie vorstellen, gemeinsame die Zukunft planen ) in dieser Beziehungskonstellation typisch.

Auch wenn vielleicht das ein oder andere doch mal etwas übertrieben wahrgenommen wird, glaubt der Bedürftige nur zu gerne, endlich den Menschen gefunden zu haben, der ihn wirklich liebt und ihm Sicherheit gibt, die er oft in sich nicht findet und nach der er sich so sehnt.

Dabei wird vollkommen übersehen oder auch verdrängt, dass eine langsame Annäherung erst ein wirkliches intensives Kennenlernen möglich macht.

Aber die Person, die hierbei den aktiven Part Inne hat, will dadurch auch den Partner an sich binden, will Sicherheit, Beruhigung der eigenen Psyche, will auch Bestätigung, Anerkennung, Sex.

Oft hat sie große Verlustängste und dadurch auch ein großes Bedürfnis den Partner zu kontrollieren.

Am Anfang einer solchen toxischen Beziehung ist sie kaum als solche zu erkennen.

Wie immer in der Verliebtheitsphase schwebt man auf Wolke sieben und hat die rosarote Brille auf der Nase. Beginnende Unstimmigkeiten und teilweise unangebrachtes Verhalten oder Reaktionen des Partners werden entschuldigt, mit eigenen Defiziten oder Kommunikationsmissverständnissen erklärt.

Aber meist spätestens nach drei Monaten schleicht sich der Alltag in jede Beziehung.

Das anfängliche Hochgefühl schwindest zunehmend, der Partner hat immer weniger Zeit, verspricht aber, sich demnächst z.B. ganz bestimmt um die gemeinsame Wohnung zu kümmern oder endlich die geplante Urlaubsreise zu buchen.

In dieser Zeit nimmt auch die Kritik des Opfers in einer toxischen Beziehung durch den Partner zu.

„Das machst du nicht richtig, dort hast du versagt und was du angezogen hast, gefällt mir auch nicht.“

Viele Betroffene versuchen, auch auf Grund ihres mangelnden Selbstwertgefühls, sich noch mehr Mühe zu geben, um den Erwartungen des Partners zu entsprechen und hoffen, dass die Beziehung wieder so wird, wie am Anfang. Aber das ist ein Irrglauben und das Gegenteil ist der Fall.

Beide begeben sich immer mehr in den Täter- Opfer- Kreislauf.

In dieser Zeit wird auch immer mehr die mangelnde Empathie des Partners wahrgenommen, obwohl sie auch sehr charmant sein können, aber immer nur dann, wenn sie für sich selbst etwas erreichen wollen.

Streit, Beleidigungen, fehlender Respekt, Abhängigkeitsgefühl, fehlendes Entgegenkommen werden alltäglich und die bittere Enttäuschung ist unvermeidbar.

5 Merkmale an denen Sie eine toxische Beziehung erkennen:

1. Es gibt keine Beziehung auf Augenhöhe. Das betrifft besonders die eigenen Bedürfnisse, die fast immer denen des Partners untergeordnet werden, um seinen Anforderungen gerecht zu werden.

2. Trotz Vermeidungsverhalten, um es dem dominanten Partner recht zu machen, eskaliert es bei Meinungsverschiedenheiten, es findet eine Abwertung statt oder der Partner entzieht sich jeglicher Kommunikation durch Schweigen bzw. verschwindet ganz, ohne mitzuteilen, wo er ist und wann er wiederkommt. So versucht er dem unterlegenen Partner Schuldgefühle zu machen und ihn zu manipulieren.

3. Sie nehmen Ihre eigenen Gefühle und Wünsche zurück, schlüpfen immer mehr in eine Rolle, um vom Partner akzeptiert zu werden und hoffen so, eine Harmonie wahren zu können, die aber nur scheinbar ist. Sie tragen eine Maske, hinter der Sie Ihre Traurigkeit und Verzweiflung verbergen.

Sie sind nicht mehr Sie selbst.

4. Sie fühlen sich einsam, ein Wir-Gefühl gibt es schon lange nicht mehr, denn fast alles dreht sich um die Belange Ihres Partners. Er nimmt nicht wahr, wenn sie sich schlecht fühlen und auch einmal Trost und Zuspruch benötigen. Selbst, wenn Sie ihm von Ihren Sorgen berichten, spüren Sie seine fehlende Empathie und bereuen, überhaupt etwas gesagt zu haben.

5. Die Einsamkeit nimmt zu. In toxischen Beziehungen ist oft die Eifersucht ein Thema, so wird oft versucht, den Partner vom sozialen Umfeld abzuschotten. So werden immer weniger Freunde und Familie getroffen und es wird kaum noch etwas unternommen. Äußert der unterlegenen Partner den Wunsch, alleine etwas zu unternehmen oder sich mit Freunden zu treffen, wird häufig sofort die Liebe in Frage gestellt.

6. Gerne werden auch die Finanzen kontrolliert, wobei eventuelle gemeinsame Konten der Überwachung des Partners dienen. So kann ganz genau nachvollzogen werden, wofür Geld ausgegeben wurde und ob nicht doch eine verheimlichter Restaurantbesuch mit einem Freund/Freundin stattgefunden hat.

7. Schuldübertragung, d.h. der toxische Partner überträgt seinen eigenen Schuldanteil immer wieder dem Partner. Hat ihm ein Theaterstück nicht gefallen, ist es der Partner schuld, er hat es ja schließlich ausgesucht, flirtet der dominantere Partner im Beisein seines Mannes/seiner Frau offensichtlich mit jemanden anderen, ist der Partner grundlos eifersüchtig und übertreibt maßlos. Selbst für das Fremdgehen wird der andere noch verantwortlich gemacht, weil man sich eben in der Beziehung nicht mehr wohlgefühlt hat, der andere einem nicht mehr das gegeben hat, was man gebraucht hat. Dadurch ist es dann eben zum Fremdgehen gekommen.

Hier wird ganz besonders das Opfer -Täter- Spiel deutlich. Der toxische Partner ist immer das Opfer, dann kann nur der andere der Täter sein. Und in der Opferhaltung wird alle Verantwortung von sich gewiesen. Die Schuld für alle misslichen Umstände trifft den unterlegenen Partner, der oft in die Täterrolle gedrängt wird und dadurch noch mehr Schuldgefühle bekommt.

Ein endloser Kreislauf von Frustration, Verzweiflung und Traurigkeit…

…den nur einer beenden kann – Sie selbst. Ich weiß, der Blick in die Vergangenheit zeigt uns, wie schön und wunderbar mal alles begonnen hat. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man so schön und mal ehrlich:“ Hoffen Sie nicht auch immer noch ein bisschen darauf, dass es doch nochmal wird wie früher? Ertappen Sie sich manchmal bei dem Gedanken, dass Sie sich vielleicht doch nicht genug Mühe gegeben haben und sich einfach noch mehr anstrengen müssen, um Ihre Beziehung zu retten?“ vielleicht sind Sie sogar ein bisschen stolz darauf, was Sie alles aushalten können und wie Sie nach wie vor für Ihre Beziehung kämpfen.

Ich weiß aus Erfahrung und der Arbeit mit meinen Klienten, dass sich hinter diesem Verhaltensmuster oft ein Lebensthema verbirgt und dieses Kämpfen und Aushalten von seelischem, ja manchmal sogar körperlichen Schmerz in diese toxischen Beziehungen oft schon in der Kindheit erlernt wurde und dort zur Überlebensstrategie geworden ist.

Unser Leben findet im Hier und Jetzt statt, auch wenn der Anfang der Beziehung traumhaft war, schauen Sie hin, wie Sie sich jetzt in der Beziehung fühlen. Unser Leben findet heute statt, im JETZT, nicht in der Vergangenheit und auch nicht in der Zukunft.

Und das aller Wertvollste, was wir besitzen ist nicht Geld, ein schickes Auto, tolle Einrichtung oder modernste Bekleidung – nein, es ist unsere Lebenszeit.

Von unserem Konto der Lebenszeit werden jeden Minute 60 Sekunden abgebucht und wir können Sie nicht zurückholen. Aber was in unserer Macht steht ist, unser Leben so zu gestalten, dass wir es erfüllt, ja und oft auch als glücklich empfinden.

Wollen Sie wirklich jemanden, der Sie mehrfach betrogen hat, der Sie belügt noch weitere drei Chancen geben?

Wollen Sie jemanden, der Ihre Grenzen nicht akzeptiert, immer wieder erfolglos bitten, sein Verhalten zu verändern?

Wollen Sie Ihr Leben mit jemanden teilen, der sich nicht mit Ihnen freuen kann, sondern Sie abwertet und runterzieht?

Diese Entscheidungen sind nicht leicht zu treffen, das weiß ich aus eigener Erfahrung und gerade in so einer Situation haben wir teilweise ganz widersprüchliche Anteile in uns.

Das innere Team, das spätestens durch Hamburger Psychologen Ferdinand Schulz von Thun bekannt geworden ist, ist in so einer zwiespältigen Situation besonders aktiv und es kann sehr hilfreich sein, mit professioneller Hilfe, sich die einzelnen Anteile mal bewusst anzuschauen, umso mehr Klarheit zu erlangen.

Fragen Sie sich auch, wie wichtig ist Ihnen ihr innerer Frieden und Ihre innere Harmonie, es ist ihr Leben und Sie ganz alleine entscheiden, wie und mit wem sie es führen wollen und welche Entscheidungen Sie treffen. Und Sie haben jeden Tag neu die Möglichkeit, Ihr Leben zu ändern… das Leben gibt uns immer eine zweite Chance – sie heißt morgen…

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